Theologische Grundlagen
Diakonie ist die Verkündigung der Liebe Gottes durch die Tat.
Nach der biblischen Überlieferung von Jesus von Nazareth gehören auch Hilfsbedürftigkeit, Schwäche und Ohnmacht zum Menschsein. Gerade in dieser Angewiesenheit auf Hilfe ist menschliches Leben wertvolles Leben, weil es von Gott bejaht ist. Jeder Mensch ist von Gott begabt und ein unverwechselbarer Teil der Gemeinschaft. Nach christlichem Grundverständnis sollen die von Gott geschenkten Stärken und Begabungen in den Dienst dessen gestellt werden, der diese Fähigkeiten (im Moment) entbehrt. In der Unterstützung für den Mitmenschen zeigt sich Gottes Zuwendung zu den Menschen." (aus: Leitlinien des Diakonischen Werkes Seite 1)
1. Diakonie als Teil der Evangelischen Kirche
Diakonie wird von der Evangelischen Kirche verstanden als "Lebens- und Wesensäußerung" der Kirche. Das bedeutet, so wie "Seelsorge" und "Verkündigung" ist auch "Diakonie" ein fester Bestandteil kirchlichen Wirkens.
2. Biblische Grundlagen
Am Anfang war das Wort. Dieses Zitat aus dem Neuen Testament hat für die christliche Welt noch eine zweite, nahe liegende Bedeutung. Und zwar im Hinblick auf die intensive Bindung an die heilige Schrift und die zentralen Glaubenssätze. Nicht jeder wird wissen, wie sie lauten und was sie besagen. Aber jeder sollte wissen, wo man sie ganz schnell finden kann: hier! Nutzen Sie die Gelegenheit zur re-legio, zur Rückbindung an unseren christlichen Glauben, wann immer Sie möchten.
Der barmherzige Samariter (LK 10, 25 ff)
25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach:
Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?
26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest
du?
27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott,
lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von
ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«
28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst
du leben.
29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer
ist denn mein Nächster?
30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von
Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn
aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot
liegen.
31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog;
und als er ihn sah, ging er vorüber.
32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah,
ging er vorüber.
33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er
ihn sah, jammerte er ihn;
34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband
sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte
ihn.
35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie
dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's
bezahlen, wenn ich wiederkomme.
36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem,
der unter die Räuber gefallen war?
37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu
ihm: So geh hin und tu desgleichen!
Es geht hier nicht um eine umfassende Würdigung des Gleichnisses. Auf drei Aspekte soll hingewiesen werden:
- Der, der durch sein liebevolles Handeln zum Nächsten wird, ist von der falschen Fakultät. Ein Samariter. In die heutige Zeit übertragen: Ein nicht-christlicher Ausländer vielleicht?
- Er geht nicht auf in der Hilfe, sondern er tut das derzeit Notwendige, leistet sozusagen erste Hilfe, sorgt vor und gibt ab. Professionelles Handeln, möchte man sagen.
- Er weiß, dass Hilfe Geld kostet und sorgt für die Finanzierung. Ganz auf der Höhe der Zeit. Unserer Zeit.
Vom Weltgericht (Mt 25, 31 ff)
31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle
Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie
voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her,
ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von
Anbeginn der Welt!
35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin
durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen
und ihr habt mich aufgenommen.
36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen
und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid
zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir
dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben
dir zu trinken gegeben?
38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder
nackt und haben dich gekleidet?
39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir
gekommen?
40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage
euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern,
das habt ihr mir getan.
41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich
bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin
nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis
gewesen und ihr habt mich nicht besucht.
44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich
hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im
Gefängnis und haben dir nicht gedient?
45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr
nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht
getan.
46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in
das ewige Leben.
Die Kernaussage ist nicht die Vorstellung vom "Gericht", sondern der formulierte Maßstab für die Beurteilung menschlichen Handelns:
Den Hungrigen zu essen geben, die Fremden aufnehmen, die Kranken und die Gefangenen besuchen. Also denen helfen, die Hilfe brauchen. Dabei wird es heute in unserem Land nicht vorrangig um Hungrige gehen. Die konkreten Bedarfe sind zeitbedingt. Aber die Aussage ist klar: Gott will, dass die Menschen zu ihrem Recht kommen. Sie sollen das bekommen, was sie zum Leben brauchen.
Weitere Textstellen zum Nachschlagen:
- Psalm 82, 3:
" Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht." - 2. Mose 22, 20.21:
"Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen. Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken." - 3. Mose, 19,33.34:
"Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der Herr, euer Gott. " - 5. Mose 24, 17.18:
" Du sollst das Recht des Fremdlings und der Waise nicht beugen und sollst der Witwe nicht das Kleid zum Pfand nehmen. Denn du sollst daran denken, dass du Knecht in Ägypten gewesen bis und der Herr, dein Gott, dich von dort erlöst hat. Darum gebiete ich dir, dass du solches tust." - Witwen, Waisen und Fremdlinge bedürfen eines besonderen Schutzes.
Eine Haltung, die sich in der Bibel häufiger findet.
- Apostelgeschichte 6
Die Wahl der sieben Armenpfleger
6 1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.
2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.
3 Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst.
4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.
Das ist sozusagen die Geburtsstunde der Diakonie als eigenständiger Aufgabe der christlichen Gemeinde. Die "Armenpfleger" werden gewählt und haben den Auftrag, sich insbesondere den Armen zu widmen, und nicht anderen gemeindlichen Aufgaben.