Diakonie

 

Wieder mitten im Leben


Leere Alkoholflasche auf der Strasse

Eines Tages tauchte der 24-jährige Robert in der Fachstelle für Suchtprävention –update- auf. "Ich brauche Hilfe", sagte er. "Ich komme allein nicht mehr klar."
Robert hatte seine Ausbildung zum Erzieher mit Ach und Krach absolviert und sogar erfolgreich abgeschlossen. Beinahe hätten ihm seine Probleme einen Strich durch die Rechnung gemacht: Er trank zu viel Alkohol, konsumierte darüber hinaus auch regelmäßig Amphetamine und Cannabis. "Ich wusste einfach nicht, wie ich mein Leben sonst bewältigen sollte", erklärt er heute seine Sucht. Sein Leben, damit meint er vor allem seine Familie, in der sowohl der Vater als auch die Mutter alkoholabhängig sind. Sein Vater hat ihn früher oft geschlagen, wenn er betrunken war – zu ihm hat er den Kontakt abgebrochen. Aber die Beziehung zu seiner Mutter möchte er nicht aufgeben. Leider scheint die Flasche das einzige zu sein, was beide verbindet – und so ist auch Robert langsam aber sicher in den Alkoholismus abgerutscht.
Nach seiner Ausbildung hat er versucht, über Praktika den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. Doch wegen seiner Sucht schaffte er es fast nie, morgens pünktlich da zu sein und einer geregelten Tagesstruktur zu folgen. Also setzte man ihn überall sehr schnell wieder vor die Tür.

Robert sitzt auf einem Sofa

Robert hatte von der Suchtvorbeugung des Diakonischen Werkes gehört und traf dort auf Werner Hübner, der ihm erst einmal eine ganze Weile nur zuhörte. Dann entwickelten beide gemeinsam einen Plan, wie Robert den Ausstieg aus seiner schwierigen Suchtsituation schaffen sollte – die jahrelange Erfahrung des Beraters in der Arbeit mit Suchtkranken ermöglichte den realistischen Entwurf eines Weges, den Robert ohne zu große Frustrationen und Rückschläge würde gehen können.
Zuerst sollte Robert versuchen, nur am Wochenende Suchtmittel zu konsumieren, damit er wenigstens einen Praktikumsplatz behalten konnte – dieser Ansatz funktionierte leider nicht. Werner Hübner reagierte pragmatisch und schnell. Er schlug vor, zunächst einmal die Amphetamine und das Cannabis wegzulassen. Ein erstes Erfolgserlebnis für Robert, denn das Vorhaben gelang. Jetzt arbeiten die beiden gerade daran, Roberts Alkoholkonsum zu reduzieren und schließlich ganz zu beenden. Dazu spricht sein Berater im Moment viel mit ihm über die Beziehung zur Mutter, die stark vom gemeinsamen Trinken geprägt ist. Ziel ist es, eine neue Verbindung zur Mutter aufzubauen – eine Verbindung zwischen zwei Erwachsenen. Je klarer die neue Beziehung wird, desto größer sind die Chancen, den Kontakt auch ohne Alkohol zu halten.

Roberts Vorhaben, ganz vom Alkohol loszukommen, ist ehrgeizig und nicht leicht. Aber er gibt nicht auf, weil er durch die Beratung wieder Mut gefasst hat, von einem gesunden, normalen Leben träumt und einem geregelten Beruf nachgehen möchte. Werner Hübner ist zuversichtlich: "Robert braucht noch etwa zwei Monate", prognostiziert er. "Dann kommt er wieder klar und steht mitten im Leben."

Menschen wie Robert brauchen dringend Ihre Hilfe, damit sie nicht noch mehr abrutschen. Unterstützen Sie uns, damit wir helfen können – jeder Beitrag zählt!

* Namen der Betroffenen geändert